Ohne Panik überfahren worden!

Wie oft habe ich mir gewünscht, es möge doch einfach ein unfassbar schönes Raumschiff irgendwo in einer Hauptstadt landen und dann einen Botschafter sanft auf dem Boden absetzen, der sogleich beginnt, eine Rede in Landessprache zu halten, die uns dazu ermahnt, SOFORT mit dem Planeten besser umzugehen und IN KÜRZESTER ZEIT alles schädliche Tun zu unterlassen, auch wenn uns das anfänglich ein wenig anstrengen mag.

Der fremde Botschafter wird darauf hinweisen, dass seine eigene Zivilisation aus den gleichen Gründen wie unsere an einem Punkt angelangt war, an dem sie sich zwischen „Weiter so – in den Untergang“ und „Harte Kurskorrektur – das Schlimmste gerade noch vermeiden“ entscheiden mussten. Dennoch würden wir ihm nicht glauben, schließlich lebt er ja nicht hier, und es ist doch keineswegs bewiesen, dass auch wir an einem solchen Punkt stehen.

Würden wir ihm glauben, wenn er Berechnungen für unseren Planeten vorlegte, die unzweifelhaft zeigen, dass wir gerdewegs mit maximaler Beschleunigung in den Abgrund unterwegs sind? Natürlich würde er auch zeigen, dass seine Rechenmodelle komlexer sind als unsere, vielleicht mehrere Milliarden mal komplexer, und damit sehr viel näher an unserer Lebenswirklichkeit. Aber auch dass selbst bei noch so vielen Parametern ein ähnliches  Ergebnis erzielt wird wie bei unseren vergleichsweise einfachen Modellen. Nein, wir würden ihm nicht glauben. Genau so, wie wir auch unseren besten Wissenschaftlern nicht glauben, deren heute vielfach feinere Modelle nur bestätigen, was sie seit Jahrzehnten bereits mit einfachen Berechnungen herausgefunden haben.

Wir zweifeln diese Berechnungen an, weil wir diese herrliche Komfortfunktion im Kopf haben, die es uns ermöglicht, auch dann noch in einer eingebildeten Traumwelt zu leben, wenn um uns herum schon längst die Hütte brennt. Wir denken einfach lieber daran, dass unsere wundervolle Technik, die uns schon so viel Macht über die Natur beschert hat, auch wieder aus der Patsche helfen wird, wenn es denn mal ganz dick kommt. Und so schlimm ist es doch auch noch nicht; die heißen Sommer könnten ja auch einen anderen Ursprung haben als den Klimawandel, und selbst wenn es ihn geben sollte, so haben wir ihn doch nicht verursacht und können ihn daher auch nicht rückgängig machen. Nein, wir haben uns angewöhnt, alles anzuzweifeln, das uns dazu bringen könnte, unseren verschwenderischen Lebensstil zu ändern.

So!

Ich hatte meine Hoffnung schon aufgegeben, dass das Raumschiff uns rechtzeitig erreichen wird, um uns zur Umkehr zu bewegen. Vermutlich wird es ein solches Raumschiff nie geben, weil alle potenziell zur interstellaren Raumfahrt fähigen Lebewesen ihren Heimatplaneten auf die gleiche Weise verwüstet haben wie wir das gerade tun und daher all ihre Anstrengungen darauf verwenden müssen, in jener Hölle zu überleben, die sie selbst in ihrer unermesslichen Überheblichkeit angerichtet haben. Mit Raumfahrt beschäftigen sich die Aliens schon seit Jahrhunderten nicht mehr.

Und dann kommt auf einmal dieses unschuldige kleine Sternenkind, gleichsam wie ein kleiner Jesus (Mohammed, Buddha, was ihr wollt) in reinlichen Windeln in die Welt, setzt sich irgendwo in Europa tagelang vor ein Parlament und erzählt uns das alte Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Mit einfachen, treffenden Worten macht sie uns darauf aufmerksam, dass unsere Klimarettungsbeschlüsse ebenso aus Nichts gewirkt sind wie des Kaisers Kleider und daher auch nichts bewirken können. Das kleine Alien ist eine von uns (wie Jesus, Mohammed, Buddha, …), es gibt nur einen klitzekleinen genetischen Unterschied, dessen Auswirkung wir mit einem Schildchen mit der Aufschrift „Asperger“ gekennzeichnet haben, damit wir sie im Notfall nicht ernst nehmen müssen. Das Gegenteil ist sinnvoll: Greta (wer bis hier nicht gemerkt hat, von wem ich rede, kann eigentlich auch gar nicht über irgendeine Suche auf diese Website gekommen sein) hat gerade wegen ihrer leichten Andersartigkeit keine Chance, sich die Welt schönzudenken. Und da sie auch nicht anders kann als das in ihren Augen Richtige zu tun, lebt sie konsequent vor, was wir alle tun könnten, wenn wir uns nicht rund um die Uhr (24 * 7) mit irgendeinem dümmlichen Quatsch ablenken würden: sie setzt sich für den Erhalt unserer Lebensgrundlage ein.

Um nun zum Titel des Beitrags überzuleiten: Greta geht mit uns bei Fußgänger-Grün über eine Strasse. Sie sieht wie wir, dass ein Auto mit extremer Geschwindigkeit auf uns zukommt. Anders als sie fangen wir an zu überlegen, gegen welche Vorschrift der Fahrer wohl verstößt und welches Gesetz wir mit den nächsten Wahlen oder auch erst später auf den Weg bringen könnten, damit solche Raserei auf freiwilliger Basis überwunden werden kann. Inzwischen ist das Auto nur noch 50 Meter entfernt. Greta ruft: „Werdet panisch!“, womit sie meint, dass es nun schon viel zu spät ist, langwierige Erörterungen anzustellen. Jetzt hilft nur noch ein gewaltiger Sprung unter Aufbietung all unserer Kräfte. Als Komfort-verdorbene und haushoch überlegene Spezies vermeiden wir aber wie üblich jede Anstrengung und werden gänzlich ohne Panik überfahren.

Und jetzt sag ich euch noch, was uns erwartet, sobald der Raser über uns hinweggebrettert ist: wir kommen in den Zuckerberg-süßen Hyperkonsum-Himmel und müssen dort genau so weitermachen wie bisher. Allein das Essen ist anders: es gibt bunte Platiktüten, so wie die, die man aus den Mägen daran verendeter Wale holt. Nur dass wir daran nicht sterben werden, denn wir sind ja schon tot. Genauer betrachtet, waren wir es schon vor dem Unfall. Wir merkten es nur nicht, denn wir führten ja regelmäßige Wiederbelebungen durch: Smartphone, Flüge, Kreuzfahrten, Fleisch ohne Ende, fette Autos zum Aufpolieren des klitzekleinen Egos, Karriere in Bullshit-Jobs und die vielen kleinen Gadgets belebten uns, die wir zwar immer online waren, aber dabei den Connect zu unserer Mutter Erde unrettbar verloren hatten. Und weil wir ja bereits heute schon so tot sind und nahezu ausschließlich in der virtuellen Schönwelt leben, sehen wir gar nicht, was Greta sieht.

Bis dann der Strom ausfällt.

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