Jetzt nicht stehen bleiben!

Europa hat gewählt. Nie zuvor in der Geschichte der EU hat es eine derart hohe Zustimmung zu Umweltthemen gegeben. Angesichts aktueller Erkenntnisse zu den Themen Biodiversität, Umweltverschmutzung und Klimawandel kann man sich nur freuen, dass offensichtlich sehr viele Menschen verstanden haben, dass uns nur noch wenig Zeit bleibt, das Schlimmste zu verhindern, genauer gesagt das Allerschlimmste, denn das Schlimmste haben wir ja schon in einer erschreckend kurzen Zeit erreicht.

Das Wahlergebnis tröstet und macht Mut. Vor allem, weil es überwiegend junge Menschen waren, die sich zugunsten einer stärkeren Ausrichtung auf Umweltthemen entschieden haben.

Dennoch habe ich große Angst davor, dass das Wahlergebnis eine künstliche Zufriedenheit erzeugt, weil man sich ja für die gute Sache entschieden hat. So lange es noch keine absolute Mehrheit für Umweltparteien gibt, wird alles in der Politik in zähen und zum Teil langwierigen Verhandlungen erreicht werden müssen, und das kann immer noch zu spät sein.

Was daher jetzt zählt, ist ein Handeln jedes einzelnen. Freiwillig und ohne Gesetzesänderungen abzuwarten. Wir können etwas tun:

  • Fleischkonsum reduzieren.
  • Auf Vielfliegerei verzichten.
  • Zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln.
  • Kleine Wege zu Fuß zurücklegen statt mit dem Auto.
  • Weniger Müll erzeugen, in dem man gebrauchte Sachen kauft und die eigenen Sachen gebraucht verkauft.
  • Nicht jede Mode mitmachen, sondern wieder Freude an langlebigen Produkten finden.

Gerade der letzte Punkt ist wesentlich: wir haben uns so sehr angewöhnt, uns mit immer neuen Käufen für was auch immer zu belohnen, dass wir vergessen haben, was wir an den Dingen haben, die einfach ein gutes, langlebiges Design haben oder eines, das uns erlaubt, sie durch Reparatur wieder funktionsfähig zu machen.

Geht man einmal davon aus, dass man sich gerne mit Dingen umgibt, die den eigenen Charakter verraten, so könnte man auch schlussfolgern, dass man sich gerade noch für gut genug hält, schnellebige und bald schon wegzuwerfende Produkte zu benutzen. Wer viel von sich hält und sich für ausdauernd, robust und belastbar hält, dem stehen klassische langlebige Produkte eher als der Billigkram, der sogar noch vor dem Ende seiner kurzen Lebensdauer entsorgt wird, weil es von ihm eine neue Version mit Pseudo-Features gibt. Und der weggeworfen und durch das Neueste ersetzt wird, damit man zeigen kann, dass man sich immer das Neueste leisten kann. Was für eine Perversion der Werte!

Getragen von dem Rückenwind, den das Wahlergebnis der umweltorientierten Parteien bei der Europawahl darstellen kann, sollten wir jetzt die nächste Schippe drauflegen und ernst machen mit unserem Umweltbewusstsein. Die Hinhaltetaktik der etablierten Parteien jedenfalls hat zu nichts geführt, außer zu Verzögerungen beim Kohleausstieg und zu oberdämlichen Betrügereien der Autohersteller.

Also: jetzt anfangen und es einfach besser machen! Ich garantiere: das macht viel mehr Spaß als es Anstrengung erfordert. Etwas bewegen ist nämlich immer eine gute Sache, weil man sich als Handelnder spürt und nicht als verblödetes Opfer. Legt los!

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