Ein anderes Leben

Was wäre, wenn wir uns nicht schon morgens über die Schlechtigkeit der Welt aufregen müssten, von der uns die Zeitungen berichten?

Wie wäre es, wenn wir die Welt nach dem beurteilen müssten, was wir mit eigenen Augen sehen, und wie wäre es, wenn wir das, was wir mit eigenen Augen sehen, nicht in Schubladen einteilen würden, die uns die Medien im Kopf eingerichtet haben?

Wie wäre es, wenn wir frei und ohne Angst auf den Nächsten zugehen könnten, auch wenn wir ihn gar nicht kennen, und wie würde dieser reagieren, wenn er sich von uns angenommen fühlte?

Wir könnten im Paradies leben, zumindest wir Menschen in den Ländern, die eine ausreichendes Einkommen für alle sicherstellen können, auch wenn dies nicht durch eigene Arbeit zustande gekommen ist (so wie bei Hartz IV-Empfängern und den Eignern großer Kapitalbeträge). Wer wenig verdient, sollte mit Rücksicht auf die eigene Zufriedenheit auch niedrige Ansprüche haben, und vor allem nicht dafür schräg angesehen werden, dass er sich nicht so viel leisten kann. Aber er sollte genauso akzeptiert werden; vielleicht verbirgt sich ja hinter der schlichten Fassade ein sehr kultivierter Mensch. Und wenn nicht, hat er es noch lange nicht verdient, schlecht behandelt zu werden.

Was wäre wenn? Hätte, hätte, Fahrradkette. Unsere Welt ist leider nicht so. Weil wir nicht so sind. Die Welt besteht aus Menschen, und so wie die Menschen sind, ist auch die Welt.

Es ist (nicht wäre!) den Versuch wert, einfach einmal anzunehmen, dass alle Menschen so wohlwollend wären wie hier beschrieben, um dann selbst genau so wohlwollend Anderen gegenübertreten zu können. Und ganz egal, ob diese tatsächlich so sind: sie werden es uns danken, und vielleicht färbt unser wohlwollendes Verhalten ja auf sie ab. Gut zu Anderen zu sein führt nicht dazu, dass diese uns ausnutzen, sondern dazu, dass sie sich besser fühlen, besser verhalten und uns wiederum besser begegnen. Um dies zu erkennen, braucht es keine Religion, sondern nur den Mut, einmal etwas mehr zu geben als was wir mit unserem zweifelnden Verstand zurückzubekommen erwarten. Und nach kurzer Zeit wird die Welt besser und besser und besser…

…bis wir wieder die Zeitung aufschlagen!

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