Das geilere Leben

Wenige Jahrzehnte Neoliberalismus haben eine Weltwirtschaft entfesselt, die mit äußerster Brutalität die letzten Ressourcen verbraucht, die letzten Refugien der Tier- und Pflanzenwelt dem Profit opfert und mit gewaltigen Finanzströmen auch den letzten aufrechten Menschen besticht, doch auch Teil dieses globalen Irrsinns zu werden.

Was haben wir davon?

Die meisten von uns starren den lieben langen Tag in ihr neues, noch tolleres Smartphone, ängstlich, etwas von der dort gebotenen Pseudorealität zu versäumen und immer hinter dem letzten Konsumkick her, der es hoffentlich endlich schafft, uns die Anerkennung zu geben, die wir alle – zumindest alle Tüchtigen in der westlichen Welt – doch so sehr verdient haben. Und die uns offensichtlich so viele Fremde so gerne nehmen würden, wie uns die Populisten weismachen wollen.

Doch wer soll uns die Anerkennung denn geben? Alle anderen wollen doch auch der alleinige Superstar werden, der mit Auto, Haus und Traumkarriere alle anderen aussticht. Das Hamsterrad hat keinen anderen Motor als uns selbst, und wenn es sich immer schneller dreht, dann nur, weil wir uns die Illusion teuer verkaufen lassen, wir müssten mitrennen, um nicht hin- oder hinauszufallen.

Hier liegt die Lösung aller unserer Probleme. Probieren wir doch einfach aus, was mit dem Hamsterrad passiert, wenn wir langsamer laufen. Und noch langsamer. Immer langsamer. Bis es stehenbleibt. Und wir ebenfalls. Ein bisschen mühsam ist es erst mal, über die Grube hinaus zu blicken, in die sich das Rad gegraben hat, weil allzu viele allzu lang allzu schnell darin herumgerast sind und es in Schwingung und Drehung gehalten haben. Aber schon sehen wir über den Hamsterradrand hinaus eine Erde. Sie hat lauter Löcher, aus denen lauter Hamsterräder schauen. Manche drehen sich noch unvermindert schnell, andere stehen schon still.

Das geilere Leben wartet auf uns. Statt uns Rennen mit immer dickeren SUVs zu liefern, nehmen wir uns bei der Hand, froh, endlich aus diesem Albtraum erwacht zu sein.

Lasst uns gemeinsam eine Vision dieses besseren Lebens entwickeln. Eine Vision, die noch im Kopf hat, an was unsere bisherigen Visionen gescheitert sind: die des Sozialismus, die der Hippies, ja auch die einer Sozialen Marktwirschaft. Es war immer die faslche Annahme, jetzt zu wissen, wie es richtig geht. Und nie die Bereitschaft, sich einzugestehen, dass man geirrt hat und sich neu aufstellen muss. Genau das, was die Evolution in Jahrmillionen ganz ruhig in unendlicher Vielfalt ausprobieren musste, bevor sie ihren größten Irrtum fabrizierte: unsere Art. Beweisen wir, dass wir kein Irrtum waren, indem wir weise werden und uns erstmal für dumm und unwissend halten. Und scheitern dürfen, uns auffangen, es nochmal anders probieren. Immer aber mit Herz und Liebe, Toleranz und Freiheit. Erziehen wir unsere Kinder zu herzlichen Menschen, und nicht zu bedingungslosen Erfolgsoptimierern! Und dann lassen wir uns von ihrer Lebensfreude anstecken und werden wieder jung.

Das geilere Leben ist das!

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