Archiv der Kategorie: Allgemein

Vor(her)sicht!

Wir werfen einen kleinen Stein in den Teich. Es entsteht eine kleine Fontäne, an der wir uns erfreuen. Vielleicht werfen wir einen größeren Stein hinterher. Wieder spritzt das Wasser auf. Wie wäre es, mal den Wacker da hinten reinzuschmeißen? Wir werfen ihn mit aller Kraft und sehen eben noch einen Kopf aus dem Wasser auftauchen, bevor unser Wacker genau dort niedergeht. Pech, oder?

Wir wählen einen Spaßvogel, der einen ungeheuren Medienrummel verursacht und uns das Gefühl gibt, alles anders, frisch und vor allem besser als die Berufspolitiker zu machen. Und dann geraten die Dinge genau so aus den Fugen wie bei dem kleinen Kind, das leider kurz nach dem Auftauchen tödlich von einem Wacker getroffen wurde. Von dem Wacker, den wir geworfen haben.

In den Vereinigten Staaten von Amerika hat gerade der vor 4 Jahren gewählte Spaßvogel gezeigt, was für ein Horrorclown er wirklich ist. Pech, oder?

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Die Wahrheit

Wir erleben – nicht erst seit dem selbsternannten größten Dealmaker aller Zeiten – eine zunehmende Polarisierung der Menschen. Gruppen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Das geht bis hin zu Vernichtungsphantasien, die nicht selten zu entsprechenden Handlungen führen.

Warum ist das so?

Was muss geschehen, damit wir wieder zurück finden?

Verfolgt man, über welche Themen die Menschen in Streit geraten, so erkennt man schnell, dass Diskussionen – wenn sie überhaupt erwünscht sind – keine gemeinsame Basis haben. Ob das den Klimawandel betrifft oder die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektionen: die Faktenbasis ist nicht die gleiche.

Es hätte allen Menschen auffallen müssen: nach der Amtseinführung des aktuellen Präsidentendarstellers (heute ist der 19.11.2020) in den USA wurde von diesem behauptet, es wären mehr Menschen zugegen gewesen als bei seinem Vorgänger. Die von den Medien veröffentlichten Bilder zeigten etwas anderes. Trotzdem wurde das Gegenteil behauptet – und geglaubt.

Warum glauben Menschen, die Erde sei eine Scheibe oder die Mondlandung wäre in einem Studio aufgenommen? Weil es uns mehr auf das ankommt, was wir glauben wollen. Weil es immer noch nicht vom Leben bestraft wird, wenn wir falsche Annahmen treffen. Immer noch nicht? Das stimmt nicht: schon zur Nazizeit glaubten hinreichend viele Menschen in Deutschland, die Juden seien schuld (an allem, wofür ein Sündenbock herhalten muss). Dieser blinde und durch nichts belegbare Glaube führte zu Aggression, Verletzungen, Millionen von Toten und unermesslichem Leid.

Menschen glauben an das, was ihren Geist in einen kohärenten Zustand versetzt – oder eine Störung desselben verhindert. Bevor ich erkenne, dass mein Verhalten jede Menge Leid erzeugt, glaube ich doch lieber daran, dieses Leid hätte eine andere Ursache. Und wenn ich dann noch auf die Urheber dieses Leids einprügeln kann, stelle ich mich als Mensch über diese Menschen. Macht macht glücklich, deshalb lieben viele Menschen (vorzugsweise Männer, aber das hatten wir hier schon) auch lange Befehlsketten, deren Erklimmung sie bei jeder zurückgelegten Stufe ein wenig glücklicher macht. Schlecht nur, wenn am Ende eine so große Zerstörung bewirkt wird, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung so nicht weitermachen will.

Ein friedliches, unaggressives, motivierendes und belebendes Miteinander ist möglich. Die Grundlage sind aber immer Fakten, die alle gemeinsam akzeptieren. Das ist bei der Klimadiskussion nicht anders als bei interreligiösen Dialogen.

Wann immer wir als Gemeinsachaft etwas erreichen wollen, müssen wir uns über die Wahrheit einigen. Der Wissenschaft kommt insbesondere wegen ihres methodischen Vorgehens dabei eine besondere Bedeutung zu. Pluralität, Thesen-haftes Vorgehen, Reviews sowie Verifizierung und Falsifizierung sind die Basis, um etwas gemeinsam Glaubbares zu schaffen, auf dem sich alles Weitere aufbauen lässt.

Verhindern wir, dass uns dieser Boden unter den Füßen weggerissen wird. Und arbeiten wir mit Leidenschaft daran, dass Menschen unterschiedlicher Interessengruppen wenigstens eine gemeinsame Faktenbasis haben. Damit die besseren Argumente siegen, nicht die größere Medienwirksamkeit.

Jetzt nicht stehen bleiben!

Europa hat gewählt. Nie zuvor in der Geschichte der EU hat es eine derart hohe Zustimmung zu Umweltthemen gegeben. Angesichts aktueller Erkenntnisse zu den Themen Biodiversität, Umweltverschmutzung und Klimawandel kann man sich nur freuen, dass offensichtlich sehr viele Menschen verstanden haben, dass uns nur noch wenig Zeit bleibt, das Schlimmste zu verhindern, genauer gesagt das Allerschlimmste, denn das Schlimmste haben wir ja schon in einer erschreckend kurzen Zeit erreicht.

Das Wahlergebnis tröstet und macht Mut. Vor allem, weil es überwiegend junge Menschen waren, die sich zugunsten einer stärkeren Ausrichtung auf Umweltthemen entschieden haben.

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Bazillen

Perspektivwechsel: wir sind der Patient. Wir sind schwerst krank, aber da müssen wir durch. Wir sind über und über besiedelt von entsetzlich hartnäckigen Bazillen.

Sie fingen an, überall die Haut zu bedecken, so dass wir nur noch durch die Lungen Luft bekamen. Später haben sie die Lungen befallen und für ihre Zwecke umgebaut. Sie bohrten sich in unsere Haut und holten energiereiche Stoffe an die Oberfläche, die sie verbrannten oder für ihren Stoffwechsel nutzen.

Wenig später verschmutzten sie alles mit ihren Abbauprodukten. Und es wurden immer mehr hochgiftige, langlebige Stoffe, die sie absonderten.

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Ohne Panik überfahren worden!

Wie oft habe ich mir gewünscht, es möge doch einfach ein unfassbar schönes Raumschiff irgendwo in einer Hauptstadt landen und dann einen Botschafter sanft auf dem Boden absetzen, der sogleich beginnt, eine Rede in Landessprache zu halten, die uns dazu ermahnt, SOFORT mit dem Planeten besser umzugehen und IN KÜRZESTER ZEIT alles schädliche Tun zu unterlassen, auch wenn uns das anfänglich ein wenig anstrengen mag.

Der fremde Botschafter wird darauf hinweisen, dass seine eigene Zivilisation aus den gleichen Gründen wie unsere an einem Punkt angelangt war, an dem sie sich zwischen „Weiter so – in den Untergang“ und „Harte Kurskorrektur – das Schlimmste gerade noch vermeiden“ entscheiden mussten. Dennoch würden wir ihm nicht glauben, schließlich lebt er ja nicht hier, und es ist doch keineswegs bewiesen, dass auch wir an einem solchen Punkt stehen.

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Freiheit: frei von?

Freiheit ist uns wichtig. Ohne Freiheit geht es nicht. Freiheit ist die Grundlage von allem!

Das alles sind unbestrittene Sätze, auf denen unser Leben gründet. Wir haben eine freiheitliche Grundordnung und wir haben etwas gegen Freiheitsberaubung. Wir wollen Entscheidungsfreiheit. Wir wollen uns nicht einschränken lassen. Basta!

Was passiert eigentlich, wenn meine Freiheit, Dinge nach Belieben tun und lassen zu können, die Freiheit anderer einschränkt? Freiheit aller ist dann nicht mehr möglich, nicht wahr?

Bei hellem Licht betrachtet, begrenzt sich die Freiheit, mein Umfeld nach meinem Geschmack zu ändern, von alleine, weil sie mit der Freiheit anderer, die andere Vorstellungen haben, kollidiert.

Universelle Freiheit gibt es daher nicht im Tun, sondern nur im Lassen. Und selbst da ist sie nicht absolut: nehme ich mir die Freiheit, kein neues Auto zu kaufen, schmälere ich den Gewinn des Autoherstellers und schränke dadurch die Konsumfreiheit der Anteilseigner (wenn auch nur minimal) ein.

Hier geht es mir um das Glück der passiven Freiheit (etwas nicht tun, sondern lassen), die andere nur wenig einschränkt.

Ich mag frei sein, wenn ich mir einen Ferrari kaufe, aber ich bin frei, wenn ich es nicht tue oder tun muss. Ich bin aber garantiert nicht frei, wenn ich mir einen Ferrari kaufen muss, weil ich erhoffe, dadurch im Ansehen anderer Menschen zu gewinnen.

Ich mag frei sein, wenn ich mit meinen Smartphone-Apps alle Infos der Welt abrufen und mit beliebigen Menschen kommunizieren kann, aber ich bin frei, wenn ich so etwas erst gar nicht brauche.

Ich interessiere mich für die Freiheit, die schwindet, wenn ich meine Freiheit in bestimmter Weise nutze. Die Rede ist von freien Entscheidungen, die zu Unfreiheit führen.

Wofür ich mich heute entscheide, kann mich morgen an die Kette legen. Alles, was ich mir heute kaufe, muss morgen von mir versorgt, betreut, gegen Diebstahl geschützt und vor Viren gesichert werden. Die Freiheit des Kaufens führt zur Sklaverei des Habens. Kaufe ein Auto und du wirst Sklave der Zapfsäule, kaufe ein Handy und du wirst App-hängig. Kaufe ein Haus und werde lebenslänglich Angestellter bei „Schöner Wohnen“.

Umgekehrt ist das nicht so: die Freiheit des Verzichts führt zu keiner Sklaverei.

Ob es richtig ist, zur Erhaltung der Freiheit auf Erwerb von Dingen zu verzichten, oder ob man auch besitzen kann als besitze man nicht (also auch keine Trauer bei Verlust etc.), muss jeder für sich selbst beantworten. Wichtig ist nur, dass man – wenn man seine Freiheit im Rahmen einer Entscheidung nutzt – darüber reflektiert, in welcher Weise die Entscheidung die künftige Freiheit beeinflusst.

Oder liegt euch vielleicht gar nichts an der Freiheit?

Ein anderes Leben

Was wäre, wenn wir uns nicht schon morgens über die Schlechtigkeit der Welt aufregen müssten, von der uns die Zeitungen berichten?

Wie wäre es, wenn wir die Welt nach dem beurteilen müssten, was wir mit eigenen Augen sehen, und wie wäre es, wenn wir das, was wir mit eigenen Augen sehen, nicht in Schubladen einteilen würden, die uns die Medien im Kopf eingerichtet haben?

Wie wäre es, wenn wir frei und ohne Angst auf den Nächsten zugehen könnten, auch wenn wir ihn gar nicht kennen, und wie würde dieser reagieren, wenn er sich von uns angenommen fühlte?

Wir könnten im Paradies leben, zumindest wir Menschen in den Ländern, die eine ausreichendes Einkommen für alle sicherstellen können, auch wenn dies nicht durch eigene Arbeit zustande gekommen ist (so wie bei Hartz IV-Empfängern und den Eignern großer Kapitalbeträge). Wer wenig verdient, sollte mit Rücksicht auf die eigene Zufriedenheit auch niedrige Ansprüche haben, und vor allem nicht dafür schräg angesehen werden, dass er sich nicht so viel leisten kann. Aber er sollte genauso akzeptiert werden; vielleicht verbirgt sich ja hinter der schlichten Fassade ein sehr kultivierter Mensch. Und wenn nicht, hat er es noch lange nicht verdient, schlecht behandelt zu werden.

Was wäre wenn? Hätte, hätte, Fahrradkette. Unsere Welt ist leider nicht so. Weil wir nicht so sind. Die Welt besteht aus Menschen, und so wie die Menschen sind, ist auch die Welt.

Es ist (nicht wäre!) den Versuch wert, einfach einmal anzunehmen, dass alle Menschen so wohlwollend wären wie hier beschrieben, um dann selbst genau so wohlwollend Anderen gegenübertreten zu können. Und ganz egal, ob diese tatsächlich so sind: sie werden es uns danken, und vielleicht färbt unser wohlwollendes Verhalten ja auf sie ab. Gut zu Anderen zu sein führt nicht dazu, dass diese uns ausnutzen, sondern dazu, dass sie sich besser fühlen, besser verhalten und uns wiederum besser begegnen. Um dies zu erkennen, braucht es keine Religion, sondern nur den Mut, einmal etwas mehr zu geben als was wir mit unserem zweifelnden Verstand zurückzubekommen erwarten. Und nach kurzer Zeit wird die Welt besser und besser und besser…

…bis wir wieder die Zeitung aufschlagen!