Freiheit: frei von?

Freiheit ist uns wichtig. Ohne Freiheit geht es nicht. Freiheit ist die Grundlage von allem!

Das alles sind unbestrittene Sätze, auf denen unser Leben gründet. Wir haben eine freiheitliche Grundordnung und wir haben etwas gegen Freiheitsberaubung. Wir wollen Entscheidungsfreiheit. Wir wollen uns nicht einschränken lassen. Basta!

Was passiert eigentlich, wenn meine Freiheit, Dinge nach Belieben tun und lassen zu können, die Freiheit anderer einschränkt? Freiheit aller ist dann nicht mehr möglich, nicht wahr?

Bei hellem Licht betrachtet, begrenzt sich die Freiheit, mein Umfeld nach meinem Geschmack zu ändern, von alleine, weil sie mit der Freiheit anderer, die andere Vorstellungen haben, kollidiert.

Universelle Freiheit gibt es daher nicht im Tun, sondern nur im Lassen. Und selbst da ist sie nicht absolut: nehme ich mir die Freiheit, kein neues Auto zu kaufen, schmälere ich den Gewinn des Autoherstellers und schränke dadurch die Konsumfreiheit der Anteilseigner (wenn auch nur minimal) ein.

Hier geht es mir um das Glück der passiven Freiheit (etwas nicht tun, sondern lassen), die andere nur wenig einschränkt.

Ich mag frei sein, wenn ich mir einen Ferrari kaufe, aber ich bin frei, wenn ich es nicht tue oder tun muss. Ich bin aber garantiert nicht frei, wenn ich mir einen Ferrari kaufen muss, weil ich erhoffe, dadurch im Ansehen anderer Menschen zu gewinnen.

Ich mag frei sein, wenn ich mit meinen Smartphone-Apps alle Infos der Welt abrufen und mit beliebigen Menschen kommunizieren kann, aber ich bin frei, wenn ich so etwas erst gar nicht brauche.

Ich interessiere mich für die Freiheit, die schwindet, wenn ich meine Freiheit in bestimmter Weise nutze. Die Rede ist von freien Entscheidungen, die zu Unfreiheit führen.

Wofür ich mich heute entscheide, kann mich morgen an die Kette legen. Alles, was ich mir heute kaufe, muss morgen von mir versorgt, betreut, gegen Diebstahl geschützt und vor Viren gesichert werden. Die Freiheit des Kaufens führt zur Sklaverei des Habens. Kaufe ein Auto und du wirst Sklave der Zapfsäule, kaufe ein Handy und du wirst App-hängig. Kaufe ein Haus und werde lebenslänglich Angestellter bei „Schöner Wohnen“.

Umgekehrt ist das nicht so: die Freiheit des Verzichts führt zu keiner Sklaverei.

Ob es richtig ist, zur Erhaltung der Freiheit auf Erwerb von Dingen zu verzichten, oder ob man auch besitzen kann als besitze man nicht (also auch keine Trauer bei Verlust etc.), muss jeder für sich selbst beantworten. Wichtig ist nur, dass man – wenn man seine Freiheit im Rahmen einer Entscheidung nutzt – darüber reflektiert, in welcher Weise die Entscheidung die künftige Freiheit beeinflusst.

Oder liegt euch vielleicht gar nichts an der Freiheit?